Hallo zusammen,
Da es über die Monate immer mal wieder Nachfragen gab: die Liste sind nur Beispiele. Solange es jetzt keine Nachrichten sind und ihr der Meinung seid, es könnte andere Menschen interessieren, dann stellt es uns anderen Nutzern vor, erzählt was euch daran gefällt und warum ihr es mit uns teilt. Blogpost, Sachbuch, egal. Nur Memes und Nachrichten würde ich ausnehmen, da daraus schon der große Rest des Fediverses besteht.
Was habt ihr in der letzten Woche so an tollen Büchern gelesen, Filme geguckt, Spiele gezockt, Musik entdeckt, Museen oder Veranstaltungen besucht, … ?
Ich habe nun endlich nach einem Jahr Pause System Shock Remake durch gespielt und was für ein phänomenales Spiel. Ich kann jetzt nachvollziehen warum es so ein Meilenstein der Computerspielgeschichte ist. Es ist Survival Horror bevor es Resident Evil gab und ein Metroidvania bevor es Super Metroid gab. Die Komplexität der Levels (aber gleichzeitig auch ein wenig Logik dahinter ala, hier die Kantine, hier die Krankenstation im Gegenteil zu z.B. Doom) kombiniert mit der Geschichte und der spielerischen Freiheit muss für damalige Verhältnisse ein Präzedenzfall gewesen sein.
Die Raumstation öffnet sich nach und nach für den Hacker und es ist am Ende ein großes verbundenes Level. Waffen können im Remake jetzt auch verbessert werden durch Mods und deren Handhabung und die allgemeine Steuerung ist wesentlich besser in meinen Augen als im Original. Dessen ungewöhnliche Steuerung war der Grund, warum ich das Original nur 10 Minuten mal probiert hatte.
Besonders hervorzuheben ist, dass Shodan beeindruckend gut im Remake ist, da ihre Sprecherin Jahrzehnte Zeit hatte, die Rolle und den speziellen Sprechstil weiter zu verfeinern. Und die graphische Verbesserung ist natürlich der größte Unterschied und richtig gut gelungen. Man spürt jetzt richtig, das man auf einer Raumstation ist und die Leuchteffekte und Ausblicke daraus sind toll.
So, nach all dem Lob dann die Frage: warum das Jahr Pause? Nun, bei etwa 70% des Spiels gibt es den Beta Groove, ein Biohabitat das voll mit Biologischen Kontaminationen ist, und ich darin nur rund 2 Minuten Lebenszeit hatte und durch den Stress nicht ordentlich zum Erkunden kam. Und das hat mich dann so frustriert, dass ich es pausiert hatte. Vor ein paar Tagen hat es mich dann wieder mal gereizt, ich hab ein Videoguide geguckt wo ich hin muss und dann mein persönliches Hasslevel in unter 2 Minuten endlich beendet.
Es gibt auch kein Questlog oder ähnliches. Wenn ein Charakter dir einen Hinweis gibt, dann schreib den lieber auf, entweder mittels der Funktion auf die Karte im Spiel oder im echten Leben auf Papier.
Es ist kein perfektes Spiel und hat seine Schwächen, aber was es richtig macht, macht es richtig gut. Mit dem Remake ist es nun möglich, diesen Meilenstein endlich mit vernünftiger Steuerung und neuer Graphikpracht zu erleben.
Diese Woche hab ich zwei deprimierende aber sehr gute Bücher für euch.
Zum ersten Wolfgang Borcherts Kurzgeschichten mit dem Titel „An diesem Dienstag: 19 Erzählungen“. Borchert ist für mich ein absolutes Genie. Niemand schreit seinen Schmerz an der Welt, die Generationen junger Menschen in einem Krieg zermalmt und weggeworfen hat so eindrucksvoll und herzzerreißend heraus wie er. Irgendwie schafft er es das unsagbare zu beschreiben und jemandem näher zu bringen der glücklicherweise nie etwas so schreckliches erleben musste und hoffentlich auch nie erleben wird. Ich kannte von ihm schon Draußen vor der Tür und Die Hundeblume welche ich beide unfassbar gut und sehr deprimierend fand. Diese Kurzgeschichtensammlung macht da keine Ausnahme.
Dann habe ich noch Requiem for a Dream von Hubert Selby Jr. gelesen. Vor Jahren hatte ich mal den davon Inspirierten Film von Darren Aronofsky gesehen und fand ihn sehr gut und sehr traurig. Das Buch fand ich nun in Teilen vielleicht sogar noch ein Stückchen besser, da man hier natürlich mehr direkte Einblicke in die Gedanken der Figuren bekommt und so deren Hoffnungen und Ängste noch ein wenig besser nachvollziehen kann. Mittlerweile habe ich auch ein wenig mehr Erfahrungen mit Drogen (keine Opiate wie Harry) und Sucht (v.A. Nikotin und Alkohol) gesammelt, was dem Ganzen auch nochmal einen zusätzlichen Beigeschmack verleiht. Man merkt an den Beschreibungen sofort, dass Selby Jr. ähnliches erlebt hat, wie das was seine Charaktere durchmachen müssen.
Interessant war, dass Borchert und Selby Jr. beide Satzzeichen und besonders Anführungszeichen zu verachten scheinen. Bei beiden wechseln die Sätze ohne sichtbare Zeichen von Beschreibungen in direkte Rede über. Daran muss man sich beim Lesen erstmal gewöhnen, aber diese Verstümmelung und bei Borchert immer wieder komplette Auflösung der Sprache macht etwas mit dem Text, das sehr eindrucksvoll das Trauma zeigt, welches beide beschreiben. Zusätzlich schreibt Selby Jr. für alle seine Figuren im Dialekt der zu ihnen passt, nicht nur deren Rede sondern den ganzen Absatz. Wer Spaß an kreativer Verwendung von Sprache hat, kommt bei beiden Autoren definitiv auf seine Kosten.
Ich habe die Brainship-Bücherserie angefangen, die in den 60er-Jahren von Anne McCaffrey gestartet wurde - auch bekannt als “Brain & Brawn Ship series”. Das erste Buch - The Ship Who Sang - habe ich schon durch und (bis auf ein Kapitel) bin ich echt begeistert.
Die Buchreihe spielt in der Zukunft, in der interstellares Reisen möglich ist. Die Menschheit nutzt dafür Raumschiffe, die durch zwei Intelligenzen bemannt werden - zum einen ein in Titanium eingeschlossenes Gehirn, welches an die Funktionen des Schiffs angeschlossen ist (das “Brain”), aber auch einen menschlichen Begleiter, der die Außeneinsätze an Land durchführt (das “Brawn”).
Der in meinen Augen recht grausame Twist ist, dass das Brain des Schiffs ebenfalls ein Mensch ist. Wenn in diesem Universum ein Baby geboren wird das furchtbar entstellt und behindert ist, haben dessen Eltern die Möglichkeit, es an die Regierung zu übergeben, die sich dann um die medizinische Versorgung kümmert, alle Kosten übernimmt, das Wachstum des Kindes künstlich unterbindet und es über viele Jahre hinweg darauf trainiert, ein Raumschiff (oder andere “größere” Systeme) zu steuern. Schlussendlich werden diese jungen Erwachsenen dann in Titanium eingeschlossen und sehen niemals das Tageslicht, sie haben die Möglichkeit, ihre Schulden abzuarbeiten und danach ein eigenständiges Leben zu führen. Ein Schiff sucht sich seinen “Brawn” auch immer selbst aus, für die bestmögliche Zusammenarbeit.
Im ersten Buch verfolgen wir die Geschichte von Helva, die gleich im ersten Kapitel ihren Brawn verliert, dadurch psychisch stark gezeichnet wird und für immer damit zu kämpfen hat. Fast jedes Kapitel ist eine Auftragsmission, die sie machen muss und nicht alle davon gehen gut aus.
Ich wusste anfangs gar nicht, dass die Reihe in den 60ern gestartet wurde (diesen Monat kommt der 8. Teil der Reihe raus) und habe hier und da mit etwas altertümlichen Begriffen gestruggelt, das wird im Laufe des Buchs jedoch besser und die Spannungskurve geht im Grunde stetig nach oben. Das einzige Kapitel das mich etwas genervt hat, war eine Mission dessen Ziel es war, Romeo und Julia aufzuführen. R&J halte ich für völlig overhyped und ätzend langweilig, da musste ich mich echt durchkämpfen. Das Kapitel hat allerdings ein großartiges Ende, also war das dann im Grunde eine kleine Belohnung für mich. :)
Das zweite Buch - PartnerShip - hat sie über zwanzig Jahre später gemeinsam mit einer Co-Autorin geschrieben. Ich bin gespannt, wie sich die Reihe dadurch verändert.
Leider ist Band 2 legal als eBook nicht so leicht zu bekommen, da es nur auf Amazon erhältlich ist und man dort keine Dateien mehr herunterladen kann. Im Netz gibt es jedoch eine Ausgabe, die Band 2+3 kombiniert: “Brain Ships (PartnerShip & The Ship Who Searched)”. Alle anderen Teile kann man zum Glück legal auf Thalia bekommen, nur Band 2 nicht.
Oh, das hört sich ziemlich interessant an, danke für die Empfehlung!
Hab jetzt (endlich) HPMOR Harry Potter and the Methods of Rationality durchgelesen.
Eine halbe Fanfiction basierend auf Harry Potter, wo sich ein wissenschaftlich interessierter Mensch drangesetzt hat, um wissenschaftliches Denken und Philosophie miteinfließen zu lassen (und Lesern diese näherzubringen).
Die Prämisse ist, dass der junge Harry bei seiner Tante Petunia aufgewachsen ist, die durch die Hilfe ihrer Schwester ihr Aussehen verbessert und dadurch dem Schicksal eine Mrs Vernon Dursley zu werden entkommen konnte. Stattdessen hatte sie einen Professor geheiratet. Dadurch hatte Harry ein liebevolles, förderndes Elternhaus und begegnet der magischen Welt nicht mit ungläubigem Staunen, sondern mit einem Haufen Fragen.
Die Prämisse klang gut und in den ersten Kapiteln war es nett zu lesen, dass dieses schwierige, neunmalkluge Blag durchaus die Dinge hinterfragt, die mir (teilweise) auch merkwürdig vorkamen. Bei einigen Beschreibungen von Harry und seinem Umfeld hatte ich das Gefühl, dass der Autor eigene Erfahrungen als überdurchschnittlich begabtes und gefördertes Kind gemacht und diese hier auch verarbeitet hat.
Die Geschichte selbst war ein interessanter Ansatz. Für mich hatte sie einige Längen, da es eben deutlich auf Wissensvermittlung angelegt war und weniger darum ging, die Geschichte nach Popcornstandard zu erzählen.
Das hat dazu geführt, dass es mir zwischendrin etwas zu “düster” und zu “predigthaft” wurde, weshalb ich eine längere Pause eingelegt hatte. Merkwürdigerweise hab ich dann unabhängig davon einige Podcastfolgen von Behind the Bastards gehört und stieß dabei auf die Folgen über die “Zizians”. Eine intellektuelle Sekte, benannt nach der Gründerin “Ziz” LaSota. Die waren hier nur einmal am Rande in den Medien, als ein deutsches Mitglied in einer Schießerei mit einem Polizisten ums Leben kam. In dem Podcast ging es um diese Sekte und dass sie sich der Rationalität verschrieben hätten. Die Gründerin hat wohl auch diese Fanfiction und den Blog des Autors gelesen.
Daher hab ich es mit diesem neu erlangten Wissen weitergelesen, was aber zur Folge hatte, dass ich im Hinterkopf immer irgendwie daran denken musste, da auch mit dieser Geschichte jemand total falsch abgebogen ist.
Ich habe gestern Kill Bill: The Whole Bloody Affair im Kino gesehen. An sich nichts besonderes, einfach Kill Bill wie Tarantino es beabsichtigte an einem Stück. Dennoch ist es cool, auch ältere Filme auf der großen Leinwand sehen zu können, wirken die Bilder doch nochmal ganz anders als auf der heimischen Flimmerkiste. Leider war der Ton komplett fürn Arsch, aber das liegt am Kino.
Die technischen Dinge mal beiseite gelassen war es für mich aber auch auf einer interpretativen Ebene ein gewisses Erlebnis.
Es ist schon einige Jahre her, dass ich Kill Bill zuletzt sah, und ich habe mich seitdem entwickelt, vieles gelernt und neue Perspektiven bekommen. Letztes Mal war der Film ein fantastischer, grotesker Actionklassiker. Dieses Mal ist mir aufgegangen, welche starke, feministische Botschaft eigentlich vermittelt wird. Ein gescheiterter Femizid führt dazu, dass die Betroffene zur personifizierten Female Rage wird, um sich an Rape Culture, patriarchalen Geschlechterstereotypen und emotional unreifen (und dadurch sexistisch gewalttätigen) Männern zu rächen.
Ich liebe es, wenn man nach langer Zeit eine Geschichte auf einer anderen Ebene neu erfährt. Immer wieder spannend.Wir haben hier noch ein “Kulturkino”, wo sie auch die alten Filme regelmäßig mal wieder rauskramen. 2001: Odyssee im Weltraum in 70mm Projektion ist bspw. auch so ein Erlebnis, was man mal gemacht haben sollte.
Ich habe Klara und die Sonne von Kazuo Ishiguro in der englischen Fassung gelesen.
Man erfährt die Welt als zurückschauende Erzählung aus der Sicht von Klara, einer solarbetriebenen Androidin. Diese wurde geschaffen, um eine Art Freund-Ersatz für Kinder / Jugendliche zu sein.
Klara lebt zunächst mit anderen Robotern (AF; im Deutschen KF) verschiedener Modellreihen im Laden, und hofft dort gekauft zu werden. Sie hat eine größere Auffassungsgabe und mehr Neugierde als viele der anderen AFs. Manches teilt und bespricht sie mit der Ladeninhaberin (Manager), manches behält sie für sich. Doch die Schlüsse, die sie aus manchen Beobachtungen zieht, sind gelegentlich kindlich naiv bis grob falsch. Ihr fehlen schlicht Informationen.Da man beim Lesen nie eine andere Perspektive einnimmt, muss man sich viel aus der Welt und Gesellschaft - sowie die Unterschiede zu unserer Welt - selbst zusammenreimen. Zum Beispiel über die bereits sehr früh im Buch angekündigte mysteriöse immer wiederkehrende Krankheit der Jugendlichen Josie. Da hat man früh den ein oder anderen Verdacht, die Gründe werden aber erst spät wirklich klar.
Insgesamt ein Buch, das viel zum Nachdenken anregt; es steckt voller Metaphern. Ohne mehr verraten zu wollen wirkt schon der Laden am Anfang wie ein stereotypisches Heim, wo nur die “Glücklichen” im Schaufenster eine Chance auf ein Leben außerhalb erhalten und alte Modelle verrotten.
Ich hatte von Ishiguro bislang nichts gelesen. Aber die Verfilmung von “Alles was wir geben mussten” habe ich vor Jahren mal gesehen. Und es gibt auch stilistische und auch gewisse inhaltliche Parallelen
Ich habe “China, mein Vater und ich - Über den Aufstieg einer Supermacht und was Familie Lee aus Wolfsburg damit zu tun hat” von Felix Lee gelesen. Ich mochte seine Artikel in der taz und anderen Zeitungen immer gerne und wie erwartet war das Buch wirklich gut zu lesen und kurzweilig geschrieben. Man bekommt einen guten Überblick über die Entwicklung Chinas ab Mao und den Einfluss, den VW auf die chinesische Wirtschaft hatte. Man erfährt auch viele interessante Dinge über die chinesische Gesellschaft. Die autobiografische Schreibweise gibt dem Buch eine persönliche Note und macht das Buch entspannt zu lesen.



