Ich habe die Instrumente (Gitarre und Klavier), bin seit meiner Kindheit musikalisch begabt und könnte zu 50 % arbeiten und gleichzeitig einen Bachelor-Studiengang absolvieren. Ich habe Musik schon immer geliebt, spiele regelmäßig, arbeite aber zu 100 %, weil ich Geld brauche und für den Ruhestand sparen muss.

Ich bin skeptisch, ob ich meinen Lebensunterhalt als klassischer Gitarrist oder Pianist verdienen kann: KI produziert massenhaft (schlechte) Musik, Piraterie ist weit verbreitet, und wenn ich mich für den Lehrerberuf entscheiden würde, sind die Kinder heutzutage meist faul, und ich müsste bei den Faulen (also den meisten) sowohl Lehrer als auch Elternteil sein.

Gymnasiallehrer möchte ich nicht werden Auf einer Hochschule zu arbeiten wäre nett, aber die Konkurrenz dort muss brutal sein.

Ich weiß, dass ich meinen Job nicht mag und bis zu meiner Rente gerne etwas anderes machen würde, aber ich habe Angst davor, drei Jahre zu verschwenden, weil ich bereits etwas studiert habe, das mir keinen Job eingebracht hat.

Nur zu studieren, weil man etwas wirklich mag, scheint ein aussichtsloses Unterfangen zu sein, aber wenn ich nichts tue, werde ich bis zu meiner Rente unglücklich sein.

  • Majoran@feddit.org
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    6 days ago

    Ich habe Informatik studiert und nach ein paar Jahren in der Industrie als Softwareentwickler gekündigt und in den mitt-30ern nochmal Philosophie studiert. War die beste Entscheidung meines Lebens.

    Wenn deine Motivation also hauptsächlich Geld und Job ist: Nein.

    • schneewiese@feddit.orgOP
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      1 day ago

      Ich habe Informatik studiert und nach ein paar Jahren in der Industrie als Softwareentwickler gekündigt und in den mitt-30ern nochmal Philosophie studiert. War die beste Entscheidung meines Lebens.

      Du bist also deinen Träumen gefolgt.

      Hast du keine Angst davor, arm zu sein? Oder alt zu werden und nicht genug Geld zu haben, um ein erfülltes Leben zu führen, um dir deinen Lebensabend leisten zu können? Denn Träume sind so schön, aber dann ist da noch die Realität.

      Angst ist ein Hauptgrund, warum ich immer noch zögere. Ich war so lange finanziell unsicher.

      Ich sehe das so: Entweder unglücklich und finanziell abgesichert, nicht wirklich viel, aber genug verdienend, oder glücklich, seinen Träumen folgend und arm.

      Deine Gedanken?

      • Majoran@feddit.org
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        4 minutes ago

        Naja, es war bei mir irgendwo schon ziemlich kritisch. Ich war einerseits Software-Entwickler, andererseits gleichzeitig dabei auch immer tiefer in den Depressionen und dann auch irgendwann funktionierender Alkoholiker. Gerade im Großkonzern hat das irgendwie immer noch funktioniert, weil ich schon als Kind programmieren gelernt habe und man sich da gut den halben Tag durch die Bürokratiemühlen mogeln kann, auch wenn ich so nicht gerade der Erstkandidat für Beförderungen war. Vor allem im Home-Office konnte ich das auch immer gut vertuschen, während aber meine eigene Gesundheit trotzdem dadurch weiter bergab ging. Mit meinem Wechsel in die Philosophie hat sich das alles radikal geändert, und als ich dort dann auch lernte, wie z.B. Sokrates das Philosophieren auch schon als Therapie oder mentale Medizin bezeichnete, war das für mich fast schon wie eine Epiphanie. In meinem Narrativ sage ich mittlerweile, dass die Philosophie mir das Leben gerettet hat.

        Stimmt schon, dass die finanzielle Absicherung da das größte Thema bleiben wird. Also zuerst glaube ich, dass mein Lebensstandard keine sehr hohen Ansprüche hat. Computer sind zwar immer noch ein Hobby und wollen alle paar Jahre ein Upgrade, für ein Fahrrad gebe ich auch vierstellig aus, aber sonst habe ich nie vom großen Haus und großen Autos geträumt; ich tendiere auch sogar eher, vielleicht sowas in Richtung Generationenhaus vom Lifestyle zu planen, aber das sind bisher nur Blaupausen. Ich glaube auch nicht, dass ich mit der Philosophie arbeitslos bleiben werde, ich habe ja auch noch meinen Informatik-Master und kann mir auch vorstellen, weiter mit Computern zu arbeiten; nur halt lieber vielleicht im Kulturbereich, in Museen, Bibliotheken, mit konkreten Menschenkontakt und nicht in einer Industrie die den ganzen Tag Produkte herstellt, die ich mir selber niemals kaufen würde. Aber zuerst ist das nächste Ziel, eine Dissertation über Philosophie und Digitalität zu schreiben. Paradoxerweise war ich noch nie so produktiv wie in der Zeit, wo ich mich in die Philosophie eingearbeitet habe, auch wenn es keine wirtschaftliche Produktivität war.

        Dann muss ich als letzten Grund erwähnen - und da gibt es auch Leute, die das ganz anders sehen, es ist vielleicht etwas ein Glaubenssystems -, aber ich glaube nicht, dass wir zu den Generationen gehören, die sich jetzt etwas ansparen können und dann einen garantierten gesicherten Lebensabend haben. Stichworte Rentensystem, Inflation, Weltlage, etc. Sicher, wer da all-in geht, wird sich mit Immobilien, ETFs, Gold oder was auch immer so gut wie möglich absichern können, aber für solche Lebensplanungen bin ich ehrlich gesagt auch einfach zu verballert. Ich bin auch mit Asperger-Syndrom diagnostiziert, ich bin auch schonmal in quasi idiotischer Naivität auf Finanzbetrüger reingefallen; theoretische Konzepte von Computer bis Philosophie geben meinem Kopf Freude und Ruhe, aber sobald ich zwei Aktienkurse miteinander vergleichen muss, werde ich sofort wieder depressiv.

        Vielleicht stelle ich mir das ein bisschen zu rosarot vor, aber ich würde lieber so Habermas-Style noch mit 90 an dem arbeiten, was mir Freude bereitet als bis 67 an etwas, wofür ich einfach nicht die psychische Resilienz habe. Es gibt ja auch in jeder Nachbarschaft diesen Stereotypen der Person, die nach 40 Jahren Arbeit in Rente gegangen ist und dann nach 4 Jahren vollkommen abgebaut hat, und das halte ich auch immer für ein mögliches Szenario.

        Das war jetzt ein relativ langer post, aber alles in allem habe ich herausgefunden, dass meine damalige finanziell sichere Schiene zuviel andere Probleme hatte, um summa summarum von einem guten Leben reden zu können. Und mir ist auch voll bewusst, dass ich in anderen Aspekten zur Zeit auf einen eher risikoreicheren Pfad bin. Aber ich glaube, ich sehe mich zur Zeit so ein bisschen als das Klischee des “crazy artist”, der sein einziges Leben dafür nutzt, etwas zu versuchen und anders zu machen als die 08/15-Lebensplanung. Und solange ich gut mit den Karten spiele, die mir auf die Hand kommen, wird sich immer eine kreative Lösung finden. Man muss halt auch nur wollen, dass man immer ein Problemlöser sein wird anstatt sich auf den Wohnzimmersessel auszuruhen.