https://archive.is/DdiqR

Wie ist es für Juden, nach dem 7.  Oktober in Deutschland zu leben? Zwei jüdische Schwestern haben Angst vor Ablehnung, sie erleben ungewollte Solidarität – und suchen nach jüdischer Normalität.

  • Asinus@feddit.org
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    8 months ago

    Wie soll sowas denn in der Praxis aussehen? Wenn jüdische Menschen als solche erkennbar sind und gleichzeitig die Verbrechen Israels in Gaza ablehnen; die können sich ja schlecht ein Schild um den Hals hängen…

    (Und: Jüdische Menschen müssen nicht gleichzeitig Israelis sein.)

    • Saleh@feddit.orgM
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      8 months ago

      Es gibt zumindest in Berlin antizionistische Jüdinnen und Juden, die sich öffentlich als jüdisch und antizionistisch zeigen. In vermeintlichen “Antisemitismushochburgen” wie Neukölln erfahren sie viel Zuspruch von ihren Nachbarn. Von der Polizei werden sie dagegen gerne verhaftet und drangsaliert. Auch die Axel-Springer-Medien hetzen mit großem Eifer gegen sie.

      Die beiden Bekanntesten sind wahrscheinlich Udi Raz und Iris Hefets. beie engagieren sich im Verein Jüdische Stimme für Gerechten Frieden in Nahost.

      Hier ein Interview mit Udi: https://www.youtube.com/watch?v=0TcH0Zfv76c

      Ca. bei Minute 28:

      I wear my kippah everywhere i go, also in Neukölln. The scary thing for me is if i walk with the kippah in Charlottenburg

      Und ein Artikel über Iris Hefets im Kontext der Repressionen gegen Palästinasolidarität: https://taz.de/Repression-gegen-Palaestina-Solidaritaet/!6093326/

      Iris Hefets wurde seitdem zum fünften Mal von der Polizei festgehalten. Das erste Mal wurde sie Ende 2023 verhaftet, als sie alleine auf der Straße stand und ein Schild in die Höhe hielt, auf dem in Handschrift geschrieben stand: „Als Jüdin und Israelin: Stoppt den Genozid in Gaza“. Beim zweiten Mal bekam sie für dieses frühere Schild sogar eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung, das Verfahren wurde aber eingestellt. Das dritte Mal wurde ihr ein anderes Schild abgenommen. Ihr aktuelles Schild konfiszierten Polizeibeamte im Dezember 2024 bei einer Kundgebung am Wittenbergplatz im westlichen Zentrum von Berlin.

      • Petersson@feddit.orgOP
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        8 months ago

        Aber es muss ja auch ohne Aktivismus für Menschen möglich sein, sicher zu leben. Kenne in Berlin Jüd*innen, die sich überlegen, ob sie auf der Straße noch Hebräisch sprechen können. Und das liegt nicht an Nazis, sondern an radikalen Pro-Palästina-Menschen.

        • Saleh@feddit.orgM
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          8 months ago

          Überlegen die sich das weil sie entsprechende Antisemitismuserfahrungen gemacht haben?

          Ich frage, weil Lobbyorgamisationen wie der Zentralrat, die JSUD und RIAS gezielt Angst schüren.

          Meine Erfahrung war dann, dass eine vermutlich jüdische Frau nahe der Synagoge in Prenzlauerberg, wo viele Jüdinnen und Juden leben, auf offener Straße und am hellichten Tag ihre Sandale in Richtung meiner arabischen Frau geschleudert hat. Wir hatten sie bis dahin überhaupt nicht wahrgenommen. Nach rationaler Angst sah das nicht aus. Wir haben uns dann jedoch gegen eine Anzeige entschieden, weil wir angesichts der bisherigen Erfahrungen mit der Berliner Polizei davon ausgehen müssen, dass wir dann Probleme bekommen und nicht die Täterin.

          Bzgl. RIAS und JSUD erinnere ich mich noch an deren Pressekonferenz zur Vorstellung ihres neuen Jahresberichtes. Da wird einerseits das Abreißen von Plakaten über Hamas-Geiseln als Antisemitismus an Universitäten problematisiert und dann Lahav Shapira als Opfer von Antisemitismus inszeniert. Dass von Shapira Videoaufnahmen existieren, wo er zuvor zahlreiche Poster über durch die IDF ermordete Menschen abgerissen hat, sowie andere Studierende körperlich bedrängt hat, wird dabei ignoriert. Es gibt also zumindest für RIAS und die JSUD die Vorstellung, dass die gleichen Taten gegen Araber/Palästinenser/palästinasolidarische Menschen legitim sind, die gegen jüdische Menschen Antisemitismus seien und bekämpft werden müssen, im Fall von Universitäten auch mit autoritären Angriffen auf Grundrechte wie Freiheit der Forschung, freie Selbstentfaltung, freie Meinungsäußerung…

          Mit den beiden Beispielen will ich zeigen, warum wir zwischen begründeten Ängsten und Problemen mit Antisemitismus, und zwischen von israel-extremistischen Organisationen geschürten Ängsten, denen eine rationale Basis fehlt, unterscheiden müssen.